Wow, was für eine Gaudi das war.
Mitten im Herzen Berlins, nicht weit vom Potsdamer Platz, liegt versteckt und tief unter der Erde ein Bunker. Unvermittelt und mitten auf dem Gehweg öffnet sich der Zugang zur Unterwelt.
Was unauffällig und wie ein Lüftungsschacht aussieht, birgt in Wahrheit eine eiserne Treppe, die mehrere Meter in die Tiefe führt. Es ist dunkel. Berlin verschwindet über einem und bleibt ausgesperrt. Die Stille, die sich hier unten ausbreitet, verschluckt die Geräusche der Stadt. Die Gänge sind eng und schwarz, die Decken tief, man geht gebückt, ganz automatisch. Langsam werden die Stimmen der Kollegen leiser, tasten vorsichtig in der Dunkelheit voran, im Rücken die Schritte, die von der Treppe in den Raum hallen. Respektvoll steht man und wartet, dass sich die Augen an die Schwärze hier unten gewöhnen. Schließlich öffnet sich, von einem ächzenden Geräusch begleitet, eine schwere Eisentür, mehrere Zentimeter dick, und etwas Licht bahnt sich den Weg durch die Dunkelheit: Wir sind angekommen! In einer anderen Welt, unter der Stadt, parallel zur Oberfläche. Wir sind angekommen beim Lasergame unter Berlin.
Dieser Betriebsausflug verspricht spannend zu werden, außergewöhnlich auf jeden Fall. In Empfang genommen werden wir vom sympathischen Spielleiter, der uns freundlich in die unterirdische Lasergame-Welt hereinbittet. Wir nehmen Platz auf der Couch im Empfangsraum, der exakt so aussieht, wie man sich den Empfangsraum eines Bunkers vorstellt: Karg, Wände aus Beton, beleuchtet mit Halogenlicht, Gasmasken in den Regalen. Aber gut, wir sind auch nicht wegen der geschmackvollen Inneneinrichtung hier. Wir sind hier, weil wir das LASERGAME!!!
spielen wollen. Bestens gelaunt und voller Vorfreude sitzen wir zusammen und lassen uns das Spiel und die Technik der Ausrüstung erklären. Jeder aus dem Team bekommt eines der Gewehre, die sich unheimlich realistisch anfühlen und aussehen. Erste Probeschüsse werden abgefeuert, es wird geflachst und viel gelacht. Nur mit Mühe kann uns der Spielleiter noch die Regeln erklären, wir sind aufgeregt und wollen loslegen.
Das erste Spiel ist Jeder gegen Jeden, auch damit wir uns mit der Technik vertraut machen können. Ein Stirnband mit Sensoren um den Kopf und die Waffe in der Hand geht es in den Bunker, in eine verzweigte Unterwelt, die sich hinter dem Empfangsraum auftut. Wieder Dunkelheit. Schwarzlicht lässt die Neon-Dekoration leuchten, Musik setzt ein, laut, der erste heftige Adrenalinstoß zuckt durch den Körper, taucht auf mit dem ersten Kollegen, der hinter einer Ecke lauert und anfängt zu schießen. Man drückt den Abzug, hektisch, feuert, geht in Deckung, der Puls rast, feuert wieder, der Atem geht schneller und schneller und schneller. In Deckung! Ab durch die Mitte und den langen Gang entlang, wieder feuern, die Kollegen sind überall und ebenso hektisch. Alle lachen, die Zähne leuchten im Schwarzlicht, die gute Laune ist mit Händen zu greifen. Nach und nach lichten sich die Reihen. Wer hier die Deckung vernachlässigt und taktisch unklug spielt, ist schnell weg vom Fenster. Die 5 Leben, die man hat, sind schnell verspielt, wenn man nicht aufpasst. Ein Kollege taucht auf, zielt, feuert, trifft. Mein Gewehr gibt einen Schreilaut von sich, ich bin Game Over.
Wir treffen uns wieder im Eingangsbereich. Erste Schweißperlen auf Gesichtern, die strahlen, und über Mündern, die lachen und hektisch, fröhlich vom Schießen reden, vom Rennen und in Deckung gehen. Wir beruhigen uns, trinken einen Schluck, das nächste Spiel steht an.
Wir werden in zwei Teams aufgeteilt, Rot und Blau. Blau geht zuerst in den Bunker und verschanzt sich darin, Rot kommt nach, fest entschlossen, den Bunker einzunehmen.
Wieder Action, Spaß, man schleicht gebückt durch die Gänge, lauert hinter den Hindernissen, die einem Schutz gewähren, die Musik setzt ein, jetzt gilt es, Feuer frei. Mit zunehmender Spieldauer werden die Teams kleiner, die ersten Kollegen müssen die Segel streichen. Rot gewinnt, das Team freut sich lautstark. „Rückspiel“, fordert einer der Blauen, johlend stimmen alle ein und schon geht es zurück in die Gänge des Bunkers unter der Hauptstadt. Schwer vorstellbar, dass unser Gelächter an der Oberfläche nicht zu hören sein soll.
Blau gewinnt, wir sind Quitt. Victory is ours. Wir treffen einander wieder im Empfangsbereich und werden auf das nächste Spiel vorbereitet. Domination heißt es. Die Teams bleiben zusammen, mittlerweile eingeschworene und eingespielte Mannschaften und es gilt, zwei Kontrollpunkte einzunehmen und zu verteidigen. Taktik ist hier gefragt, Teamwork sowieso und eine gesunde Portion Mumm.
Zehn Minuten müssen die Kontrollpunkte verteidigt werden, eine Mammutaufgabe, wenn im Minutentakt die Gegner auf einen zustürmen. Ein zäher Kampf entwickelt sich, geführt mit allen Tricks. Rot gewinnt erneut, aber eigentlich gewinnen hier alle.
Das letzte Spiel des Abends heißt Capture the Flag. Wer hätte gedacht, dass Lasertag so ein vielschichtiges Spiel ist. Wir müssen die Flagge der gegnerischen Mannschaft erobern und auf die eigene Seite bringen. Gar nicht so einfach, wenn man durch die Gänge gejagt wird und alle Nase lang hinter den Kulissen der Gegner lauert. Schreie schallen durch die Gänge, Gelächter, Schussgeräusche, mein Gewehr ist mittlerweile eine Verlängerung meines Körpers. Ich schieße geübter, brauche nicht mehr so lange zum Zielen und treffe sicherer. Aber auch die anderen scheinen mittlerweile halbe Profis zu sein. Die Kondition lässt nach, aber wer stehen bleibt, wird getroffen. Team Rot liegt in Front, dann Blau, ein Kopf-an-Kopf-Rennen durch den unterirdischen Irrgarten, die Gewehre feuern, die Musik wird lauter, laufen was die Beine noch hergeben, in Deckung gehen, feuern, capture the flag and don´t lose it, Rot liegt in Führung, gewinnt schließlich. Mission accomplished!
Wir sitzen zusammen auf der Couch im Empfangsraum. Die Beine sind schwer, die Blutbahn noch Randvoll mit Endorphinen, verschwitzte Shirts und selige Gesichter, die fröhlich in die Runde blicken. Wir sind erschöpft und glücklich, begeistert und ausgepowert von diesem großartigen Spiel. Man will sich kaum von den Gewehren trennen, man hat sie liebgewonnen, weiß sie gut zu bedienen. Wir lachen viel, spaßen über die letzten zwei Stunden, Team Rot zieht Team Blau ein wenig auf und Team Blau lacht darüber. Die Revanche wird kommen, Team Rot, soviel ist sicher. Denn bei einer Sache sind sich hier alle einig: Dies wird nicht das letzte Lasergame gewesen sein…